VITA

Reinert Keuter
Born (1962) in Gütersloh, Germany.
Lives and works in Gütersloh, Germany & S'Arracó, Spain.
1981-1984 Studies Communication Design at Münster University of Applied Sciences, Germany.

Exhibitions

Group Exhibitions

2018 
TOY BITCHES FUCK YOU 
Group Show / 3.3. - 17.03.18. / Galerie Kai Erdmann / Hamburg, DE / Klosterwall 4

2024
/cooperation/
unbedingtes Zusammenhalten mit jemandem aufgrund gleicher Anschauungen und Ziele.
Group Show / 6.7. – 7.9.2024 / NIZZA / Berlin, DE / Schweidnitzer Str. 17


Solo Exhibitions

2026
Per Dolorem ad Lucem
Kurt von Bley & Reinert Keuter
/ 21.2. – 28.3.2026 / NIZZA / Berlin, DE / Schweidnitzer Str. 17
Exhibition publication (PDF)


Per Dolorem ad Lucem
Kurt von Bley und Reinert Keuter

Der Raum, das Innere zwischen Oberflächen, Häuten und Hüllen, ist ein diffuser, vielfach verdrängter, unzugänglicher. Das Innere des eigenen Körpers im Alltag, in Gesundheit so verborgen, so fremd, im Kleinen als unendliche Weite, doch so schwer zu begreifen. Die gemeinsame Ausstellung Per Dolorem ad Lucem von Kurt von Bley und Reinert Keuter im Nizza, Berlin, umkreist einen solchen Zwischenraum von Innen und Außen, von Transformation – durch Schmerz zum Licht. Kurt von Bley zeigt Auszüge einer Serie der letzten fünfzehn Jahre, innerhalb derer er in verschiedenen Arrangements Tabletten, Antidepressiva, antiretrovirale Medikamente und andere pharmazeutische Präparate in streng gesetzte Bildfelder überführt. Im Readymade werden bunte Tabletten zwischen Waben gebrauchter Filter oder als Teil von collagehaften Malereien auf ihr ästhetisches und konzeptuelles Potenzial untersucht. Als Objekt, als Material, industriell gefertigt, millionenfach produziert, funktional bestimmt. Gleichzeitig tragen sie persönliche Dimension und sind mit einem sich fortsetzenden Werktitel Selfportrait vielfach autobiografisch konnotiert. Die Tabletten machen einen Möglichkeitsraum konkreter Lebensrealitäten auf, Therapie, Stabilisierung, das Durchhalten und wieder einbrechen. Parallel evoziert die serielle Setzung eine eigentümliche Ruhe, Tablettenfelder erinnern an Diagramme, an Minimal Art oder sakrale Ornamente. Ordnung entsteht, Kontrolle wird sichtbar, zugleich bleibt spürbar, dass diese Ordnung fragil ist und in ihrer Doppelbewegung um einen irritierenden Zwischenraum oszilliert.

In Reinert Keuters Serie Cut spannt sich in einem langwierigen Prozess lackiertes Polyestergewebe über großformatige Keilrahmen oder skulpturale Konstruktionen aus Holz und Metall. Die Oberflächen in einem gelblich-braunen Ton erinnern an organisch-technische Haut und wölben sich in einer Art Freeze, als würden sie einem unsichtbaren Druck ausgesetzt. Teils sind einfache Gegenstände unter die Oberflächen gekeilt und verstärken den Eindruck eines fremden Gegenstandes unter der Haut, der, wie der Fuß eines Fötus im Mutterleib, von innen nach außen drängt und dennoch gebunden bleibt. Linien zeichnen sich ab wie Schnitte oder Narben, und so tragen auch Keuters Arbeiten biografische Spuren und beschäftigen sich mit dem Körper, seiner Verletzlichkeit wie seiner Belastbarkeit. Kunsthistorisch wird korrelierend ein zentrales Motiv der Oberfläche als Haut berührt; war die gespannte Leinwand doch nie nur Bildträger, sondern zugleich immer auch Membran zwischen Innen und Außen, Körper und Bildraum. Bei Keuter wird sie zur physischen Grenze, und ein Bild bildet sich aus. Die Falte, seit der barocken Skulptur ein Ort gesteigerter Lebendigkeit, erscheint weniger als Draperie denn als Spannung und Volumen, als hervorgerufene Form.

Reinert Keuter und Kurt von Bley berühren sich dergestalt in einer gemeinsamen Bewegung – wie lässt sich das Innere zeigen, ohne es zu erklären, denn es ist nicht zu erklären.

Rosa Windt

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